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NATURA 2000-STATION

AUEN, MOORE, FEUCHTGEBIETE

Die Natura 2000-Station Auen, Moore, Feuchtgebiete (AMF) ist eine thüringenweite Ansprechpartnerin für Natura 2000 in allen Lebensräumen mit Wasserbezug sowie für Belange im Amphibien- und Reptilienschutz. Diese Lebensräume umfassen maßgeblich stehende und Fließgewässer, feuchtes Grünland und Moore. Sie setzt sich für den Erhalt und die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands der Lebensraumtypen und Anhangarten der FFH-Richtlinie sowie der Arten der Vogelschutzrichtlinie ein.

In diesem Kontext gehört die Initiierung und Umsetzung von, sowie die Mitwirkung bei Naturschutzmaßnahmen, um natürliche Lebensräume und seltene Tier- und Pflanzenarten mit besonderer Bedeutung für das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 zu erhalten und zu fördern, zu den Aufgaben der Station. Die Praxis umfasst hierbei ein breites Spektrum an Themengebieten wie beispielsweise fachgerechte Gewässerentschlammung, Fließgewässer- und Auenrenaturierung, Moorentkusselung, fach- und artgerechte Bewirtschaftung feuchter Flächen als Lebensraum speziell angepasster Arten und vieles mehr. Die dabei umzusetzenden Maßnahmen werden durch die Beantragung von Fördermitteln realisiert. Einen Überblick über unsere regionalen Projekte erhalten Sie hier.

Zusätzlich ist bei der Station AMF die Sonderaufgabe Thüringenweiter Amphibien- & Reptilienschutz angesiedelt. Mehr dazu lesen sie hier.

Die Station AMF fungiert als Schnittstelle zwischen Behörden, Verbänden und Kommunen einerseits sowie Vereinen, Eigentümern und Nutzern aus Forst-, Wasser- und Landwirtschaft andererseits. Durch die Bündelung von Fachwissen aus dem einzigartigen Netzwerk der Natura 2000-Stationen, deren Trägern und Kooperationspartnern, können Maßnahmen für gefährdete Arten und Lebensräume initiiert und die Akzeptanz von Natura 2000 gesteigert werden. In diesem Rahmen unterstützt die Station die Bemühungen zur Sicherung der biologischen Vielfalt außerdem durch fachliche Beratung. 

Mehr zu Moorrenaturierung und Auenrevitalisierung:

Moore und ihre Arten benötigen einen niedrigen pH-Wert – Moore sind „sauer“. Charakteristisch für Moore sind die Torfmoose, welche den Moorkörper aufbauen. Der obere Teil einer intakten Torfmoospflanze lebt – Wachstum findet also nur am Pflanzenköpfchen statt. Der Abbau der unteren toten Pflanzenteile ist durch die vorherrschenden anaeroben Verhältnisse unter Wasser gehemmt. Zudem finden sich in Moorböden, bedingt durch das saure Milieu, deutlich weniger Bodentiere die für die Zerkleinerung des Pflanzenmaterials zuständig sind – Torf entsteht. Ein Moorkörper wächst also stetig, jedoch sehr langsam, im Schnitt nur etwa 1mm pro Jahr. Wird ein Moor entwässert oder fällt trocken, kommt es durch den Kontakt mit Sauerstoff zu Zersetzungsprozessen, die zum Absterben der wachsenden Torfmoosteile und zur Freisetzung großer Mengen von C02 führen. Daher ist der Schutz und das Wiederherstellen intakter Moorökosysteme nicht nur wegen ihrer Habitatfunktion für eine Vielzahl geschützter Tier- & Pflanzenarten, sondern auch aus Sicht des Klimaschutzes von großer Bedeutung. Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume.

Natürliche Gewässer und Moore verschwinden jedoch durch intensive Landnutzung und Trockenfallen bzw. (historisch) gezieltes Entwässern Stück für Stück aus unserer Landschaft. Um die letzten Moore und ihr spezialisiertes Artspektrum zu erhalten muss ihr Trockenfallen und vermehrter Nährstoffeintrag verhindert werden. Dafür setzen wir unter anderem Maßnahmen für ihre Wiedervernässung und Entkusselung, also die Freistellung der Moorflächen von lebensraumuntypischen Gehölzen, um.

Wollgras

Unsere Auen waren ursprünglich sehr diverse, dynamische und artenreiche Landschaften. Die meisten Fließgewässer wurden jedoch begradigt, das natürliche Mäandrieren (geschwungener Verlauf natürlicher Fließgewässer) damit verhindert und die Auen zur intensiven Landbewirtschaftung oder Bebauung genutzt. Dadurch gingen wichtige Lebensräume wie Feuchtwiesen, Sandbänke oder auch dynamische temporäre Kleingewässer verloren – spezialisierte Arten dieser Habitate wie die Gelbbauchunke, der Wiesenknopfameisenbläuling oder die Bekassine starben lokal häufig aus oder suchten soweit vorhanden, in drastisch reduzierten Beständen, Ersatzlebensräume auf. Durch die Zusammenarbeit mit Behörden, Gewässerunterhaltungsverbänden, Landeigentümern und -nutzern versuchen wir diesen Trend umzukehren und die natürliche Dynamik dieser Lebensräume auf ausgewählten Abschnitten wiederherzustellen. Naturschutz und Landnutzung können hier beispielsweise durch extensive Beweidung Hand in Hand gehen. Diese ist in unterschiedlichsten Formen, beispielsweise mit Wasserbüffeln, als eine nachhaltige Art der Landschaftspflege möglich.

Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Weitere wassergebundene Schützlinge mit Natura 2000 Bezug:

Der Europäische Biber (Castor fiber) ist streng geschützt. Im Jahr 2007 hat das semiaquatische Säugetier endgültig seinen Weg zurück nach Thüringen gefunden und breitet sich seither langsam aber stetig in Thüringen aus. Der Biber ist sehr territorial, weswegen die Anzahl der Tiere in von Bibern bewohnten Gebieten relativ konstant bleibt und eine „Übervermehrung“ biologisch ausschließt. Als „Landschaftsgestalter“ kann der Biber einen wertvollen Beitrag zum Biotop- und Artenschutz leisten und vielfältige Strukturen schaffen. Die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Auenlandschaften mit Weichhölzern, ständiger Wasserführung sowie störungsarmen und grabbaren Ufern trägt hierbei zu seinem Schutz bei. Die Lebensweise des Bibers birgt jedoch mancherorts auch Interessenskonflikte, welche meist im Einzelfall betrachtet werden müssen. Das Thüringer Umweltministerium erarbeitet aktuell einen Biber-Managementplan, welcher sowohl ein Bewusstsein für Konfliktbereiche als auch für Wege zum Umgang mit der Art schaffen soll. Schäden sollen möglichst verringert oder verhindert werden, wozu der Freistaat zukünftig außerdem plant Präventionsmaßnahmen zu fördern.

(Bild: T. Beyer)

Bei Beobachtungen, Schadensbegutachtung oder fachlichen Fragen melden Sie sich bitte beim Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs Thüringen. Neben dieser Beratungsstelle steht ihnen außerdem ihre regionale untere Naturschutzbehörde (Landratsamt) und das Bibermanagement des NABU Thüringen bei regionalen Anliegen zur Verfügung.

 

Mehr über den Weg des Bibers zurück nach Thüringen können Sie in folgendem LNT-Artikel (2015) nachlesen:

Interessante Erkenntnisse zur Wiederbesiedelungsdynamik und Genetik liefert außerdem folgender LNT-Artikel (2018):

Der eurasische Fischotter ist europaweit streng geschützt. Ab 1974 galt er in Thüringen als ausgestorben, aber seit 1996 konnte er wieder regelmäßig, zunächst im Osten Thüringens, nachgewiesen werden. Vor seiner Unterschutzstellung in den 1950er Jahren wurde er nicht nur als Konkurrent, sondern auch wegen seines dichten weichen Fells gejagt und kam zusätzlich häufig in Fischreusen um. Dies brachte die Art in weiten Teilen Europas an den Rand des Aussterbens. Seit den 1990er Jahren kehrt der Otter deutschlandweit langsam in seine alten Lebensräume zurück. Obwohl ihre Bestände in Thüringen auf einem guten Weg sind, gilt die Art hier weiterhin als gefährdet, während sie deutschlandweit weiterhin vom Aussterben bedroht ist. Der Marderartige ist ein exzellenter Schwimmer und an Flüssen, Bächen und Seen zu Hause. Er verbindet das Leben im Wasser gut mit dem Landleben und kann auch kilometerweit zu Fuß laufen. In den vergangenen Jahren waren für seinen Schutz in Thüringen vor allem ottergerechte Brückenunterführungen wichtig, um die Zahl der Verkehrsopfer zu minimieren. Seine, Nahrungswahl bietet jedoch immer häufiger Konfliktpotential. Neben Krebsen, Amphibien, Reptilien, Vögeln, Kleinsäugern und Insekten stehen vor allem Fische auf seinem Speiseplan. Daher ist er gerade an fischereilich genutzten Teichen oft kein gern gesehener Gast. In den kommenden Jahren wird in Thüringen daher vor allem das Konfliktmanagement eine große Rolle in der Schutzstrategie für den Fischotter spielen müssen. 2021 wurde die Art zum Tier des Jahres gewählt, um auf die Probleme rund um den Fischotter aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein für seine Bedürfnisse in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Zuständig für den Fischotter sind das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) und die regionalen unteren Naturschutzbehörden (Landratsamt). Bei Beobachtungen oder fachlichen Fragen können Sie sich außerdem an Frau Schmalz vom Büro FLUSS (Telefon: 036841 55932, Mail: maria.schmalz[at]fluss-im-netz.de) wenden, die seit über 20 Jahren die Wiedereinwanderung der Art in Thüringen beobachtet und das „Otter-Netz Thüringen“ betreut. 

Mehr über den Weg des Fischotters zurück nach Thüringen können Sie in folgendem LNT-Artikel (2015) nachlesen:

Für 26 Fischarten ist Deutschland durch EU-Schutzverordnungen verpflichtet Schutzgebiete auszuweisen. Hierzu gehören beispielsweise der Steinbeißer und das Flussneunauge, welche in Thüringen jedoch beide als ausgestorben gelten. Knapp die Hälfte aller in Thüringen etablierten Fischarten werden in der Rote Liste Thüringens geführt. Während sich sieben Arten in Ihrem Zustand verschlechtert haben, konnte nur bei vier ein positiver Trend verzeichnet werden. Westgroppe und Bachneunauge, beides Fischarten der Forellen- und Äschenregion von Fließgewässern, konnten jedoch durch Verbesserungen der Bestandssituation in den vergangenen Jahren aus der Roten Liste entlassen werden. Die aktuelle Bestandsentwicklung verschiedener Arten deutet darauf hin, dass Ursachen wie strukturelle Defizite, verschlechterte Reproduktionsbedingungen durch beispielsweise Abtrennung des Gewässers vom Grundwasser (Kolmation), sowie Verlust des Kieslückensystems, fehlende Durchgängigkeit, Prädation und Stoffeintrag die Situation der Fischfauna in Thüringen weiterhin beeinflussen. Zusätzlichen negativen Einfluss können jedoch auch Klimaveränderungen, etwa veränderte Niederschlagsverteilungen, haben.

Die Unterhaltung solcher Gewässer liegt seit 2020 meist in Verantwortung der 20 regionalen Thüringer Gewässerunterhaltungsverbände (GUVs). Für ökologische Fragen im Hinblick auf die Gewässerunterhaltung, gerade an Gewässern außerhalb des Siedlungsbereiches und innerhalb von FFH-Gebieten, stehen jedoch auch die jeweiligen Natura 2000-Stationen zur Verfügung, die künftig gemeinsam mit den Gewässerunterhaltungsverbänden für die Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers insbesondere als Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen (§ 39 Abs. 1 Nr. 4 WHG) arbeiten wollen. Die WBWF aus BaWü hat unterdessen wertvolle Leitfäden und Handreichungen für die Arbeit rund um den Lebensraum Gewässer zusammengestellt.

Tätigkeitsbereich

Die Station AMF ist die einzige der 12 Natura 2000-Stationen Thüringens ohne regional abgegrenzten Tätigkeitsbereich und eine von zwei Stationen mit thüringenweiter Tätigkeit. Ihr Aufgabenfeld liegt in allen ausgewiesenen FFH- und Vogelschutzgebieten des Landes mit überwiegendem Wasserbezug. Sie ist jedoch auch außerhalb der Schutzgebiete tätig. Dies betrifft alle Flächen, die als Habitate für Amphibien und Reptilien in Frage kommen.

FFH- und-Vogelschutzgebiete in Thüringen

Wappentier

Wappentier der Station ist die Bekassine. Über die Bekassine als Symbolträger der Station berichtete Brehm 1882 folgendes: „Man begegnet ihr nur in feuchten Niederungen, Sümpfen, Morästen, auf schlammigen Wiesen, kurz, auf Oertlichkeiten, welche dem eigentlichen Sumpfe mehr oder weniger ähneln […].“

Heute sind solche Flächen selten. Naturschutzprojekte in Fluss- und Bachauen können das Überleben von Bekassine und anderen auf feuchtes Grünland angewiesenen Arten sichern. Dabei bietet die traditionell und extensiv genutzte Kulturlandschaft die Chance auf größte Artenvielfalt.

Träger & Kooperationspartner

Träger der Station ist die Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. (NfGA). Zweck des Vereins ist die Naturforschung im weiteren Sinne und die daraus resultierende Bildungsarbeit und der Wille, Beiträge zur naturräumlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten. Die NfGA ist außerdem Träger von zwei weiteren Natura 2000-Stationen in Thüringen. Sie umfasst überdies die Einrichtungen „Naturkundemuseum Mauritianum in Altenburg“, die ehemalige Amalienschule und den sogenannten Kunstturm in Altenburg sowie das ehemalige Wasserwerk in Schmölln.

In der Trägerschaft für die Station AMF wird die NfGA außerdem von zwei Kooperationspartnern unterstützt. Es handelt sich hierbei um den NABU Thüringen und den Amphibien- und Reptilienschutz Thüringen e.V. Als Ansprechpartner steht der Natura 2000-Station außerdem ein Fachbeirat mit Vertretern aus den Themenbereichen Wasser, Insekten, Amphibien & Reptilien, Naturschutz und Ingenieurbiologie zur Verfügung.

Team & Kontakt

Sabrina Mittl

Stationsleitung

Gesamtkoordination,
Thüringenweiter Amphibienschutz,
ENL-Projekt „BARB“ (Bergbauberatung)

Sebastian Sehy

Stellv. Stationsleitung

Moor- und Auenrenaturierung,
Gewässerökologie,
Gewässerunterhaltungsverbände

Marco Rank

Stationsmitarbeiter

Thüringenweiter Reptilienschutz,
Umweltbildung & ÖA,
ENL-Projekt "BARB" (Bergbauberatung)

Nils Braunmiller

Stationsmitarbeiter

ENL-Projekte

ProjektmitarbeiterInnen

Bergbauberatung (BARB),
Geburtshelfer- und Kreuzkröte West,
Ökologisches Trassenmanagement (ÖTM),
Wechsel- und Kreuzkröte Ost,
Gelbbauchunke Jena & Saale,
Amphibien & Wiesenbrüter Creuzburg/Werra

Stellenausschreibung

ProjektmitarbeiterIn

STELLE BESETZT
ENL-Projekt
„Aktionsnetz Gelbbauchunke Jena & Saale“
zu der Ausschreibung

Die NATURA 2000-Station ist zuständig für

Über 100

FFH-Gebiete mit Wasserbezug

44

Vogelschutzgebiete

Mind. 10

Amphibienarten

Mind. 2

Reptilienarten

Standort

Die Natura 2000-Station ist mit ihrem Büro auf einem idyllischen Hügel in Renthendorf im Saale-Holzland-Kreis angesiedelt, in den Räumlichkeiten des Pfarrhauses der Familie Brehm. Auf dem gleichen Gelände befindet sich das Museum „Brehms Welt – Tiere & Menschen“.

Im ehemaligen Wohnhaus des berühmten Tier-Wissenschaftlers und Autors des zoologischen Nachschlagewerks „Brehms Tierleben“ Alfred Brehm kann man sich auf eine Reise ins 19. Jahrhundert begeben, als die Naturforscher Brehm Tiere als denkende und fühlende Wesen erkannten. Der Zoologe war außerdem erster Direktor des ersten Berliner Aquariums. Dieses umfasste damals viele Abteilungen, wie auch die Schlangengrotte, die Süßwassergalerie und die Bibergrotte. In dem heutigen Gedenk-Museum in Renthendorf können das vielseitige Verhältnis zwischen Mensch und Tier und die Anfänge der modernen Verhaltensforschung und des heutigen Umwelt- und Artenschutzes ergründet werden.